5.9.15

Ich weiß


Ich weiß

Du liebst dein Land
(noch immer wacht der Hermon
über deine Mutter)

mit seinen Ölbäumen,
(wusstest du, dass Picassos Taube
ihren Zweig im Schnabel trägt?)

Aleppo, Homs, Latakia und Damaskus
(diese alte Stadt mit ihren Souks, Moscheen
und Sankt Ananias hinter dem Thomas-Tor).

Paulus wurde in ihr
wieder sehend, erzählen wir Christen.
Und was berichtet ihr?

Konntest du
es noch entdecken,
bevor du gingst?

Von den Hügeln
hinunter ins Tal von Idlib
schauen des Abends

und von den Oliven kosten
oder den Trauben,
die dort reifen?

Hattest du noch die Zeit
mit bloßen Füßen
durch den Barada zu waten

wie wir es gerne tun
des Sommers in den
kristallklaren Bächen?

Zu staunen über
das kräftige Rosa
der Flamingos

oder die krummen Schnäbel
der Ibisse am Stausee,
der das Land am Euphrat tränkt?

Du liebst dein Land,
dieses von Bomben zerfetzte
gefolterte, blutende.

Das giftgasbeladene,
ausgehungerte, angsterfüllte
und verzweifelte.

Bist gekommen 
über das Meer. Im Gepäck
Hoffnung, Glaube und Liebe.

Ich weiß.

Kommentare:

naturinsilben hat gesagt…

Ach, je!!
.. und doch wissen wir nicht...

Liebe Grüße,
Sibia

Elke K.-K. hat gesagt…

Ja, liebe Silbia, so Vieles wissen wir tatsächlich nicht, ahnen wir vielleicht mehr. Doch in einem bin ich mir recht sicher: Glaube, Liebe und Hoffnung tragen diese Menschen in sich, wohin ihr Weg sie auch immer verschlägt/verschlagen wird.

Anonym hat gesagt…

Es ist schön,
Worte von einer Frau zu lesen,
die weiß und glaubt.