30.6.16

In Memoriam


In Memoriam Norbert

Vor nunmehr fünf Jahren, am 30. Juni 2011, wurde Norbert von seinem Leiden erlöst und ist letztlich ganz ruhig eingeschlafen.
Norbert war mit mir, meiner Familie und meinen Freunden für mehr als 3 Jahre sehr eng verbunden. Als Mensch, der immer wieder auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und nach sich selbst war, öffnete er sich für ihm Unbekanntes mit vorfreudiger Neugier. 

Er setzte, so ihm dies noch möglich war, seine Gedanken und Gefühle in selbst komponierte Musik um. Er träumte wieder, vor allem von einer neuen eigenen CD. Als der aggressive Krebs begann, den Körper zu durchdringen, reichte seine Kraft nicht mehr aus, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. 

Wenn er der Krankheit im wachsenden Begreifen der Endlichkeit des irdischen Lebens begegnete, tat er dies ohne wehleidiges Klagen. Norbert nahm über viele Monate hinweg die unzähligen anstrengenden Behandlungen mit ihren zunehmenden Belastungen und Beschwerden hoffnungsvoll und geduldig auf sich. Seine Liebe zum Leben, zur Musik und unsere tiefe Zuneigung halfen ihm, das mit der Krankheit verbundene unberechenbare Auf und Ab zu ertragen.

Mit Norberts Namen verbindet sich im Umgang mit anderen Menschen das Zuhörenkönnen und Ermutigen sowie Berührenwollen. Ein Freund schrieb im Winter 2010, nachdem er ihn mit seiner Gitarre erlebt hatte, er sei:" ... ein Mann, der mit seinem Instrument verschmilzt, mit einer reinen, fast naiven Freude am Spielen, bei dem ich empfunden habe, was Glück ist..."

Hab Dank, Norbert!

14.4.16

Bei den Alten Meistern (II)



Pinturicchio - Bildnis eines Knaben














Kindheitsende 

Du siehst mir skeptisch ins Gesicht,
betrachtest mich vertraut und dennoch fremd.
Schaust ruhig, scheinst im Gleichgewicht
mit deinem Ich nach außen. Noch gehemmt 
bezeugst du Abstand innerlich
zu dieser Welt, von der du wenig weißt.

Bemäntelst und versiegelst dich,
dein Kindsein schützend. Es scheint eingekreist.
Begrenzt durch jene, die den Hort
der Unbeschwertheit längst verließen,
last- und schuldbeladen. Ohne Wort,
nur durch den Blick, beschreibst du den Kontrast.

10.4.16

Bei den "Alten Meistern" (I)

Jan Vermeer - Briefleserin am offenen Fenster














Bei den Alten Meistern (I)

Du weißt es längst, dass ich begehre  
wohl jede deiner Zeilen aus dem Brief 
in meiner Hand und mich verzehre 
nach deinen Liebesworten, warm und tief. 
  
Das Fensterglas ist mir ein Spiegel -
Ich sehne mich nach Leben. Und nach dir. 
Die Antwort sei für dich das Siegel 
für mein Gefühl: Ich hoffe. Jetzt und hier. 


9.4.16

Über das Grün










Über das Grün
 
Ein Freund meinte einst, ich schriebe zu viel vom Grün. 
Das fiele ihm auf, wenn er meine Gedichte läse. 
Ich blätterte nach – Es stimmte.  
Aus dem Bemühn von Orten zu sprechen, 
in deren Licht ich genese, 
entspross stets das Grün den Texten 
vom Moos, vom Wald, der Insel im Meer,  
dem See beim aufsteigenden Morgen.

Wo jegliche Hast der Tage wie abgeprallt  
in Langsamkeit taucht, entschwindet auch der Lärm.  
Geborgen im Nachhall der Zeit und Stille 
erfüllt mich ein vollendeter Klang von Frieden. 

Harmonie.

Im Schweigen erscheint mir das Grün 
als wertvollster Edelstein der Welt  
und ich will noch immer
im Wort mich vor ihm verneigen.
.

4.4.16

Vier Jahreszeiten - Haikus

Quelle: Internet

.
Mitternachtsregen
Die Erde trinkt frisches Grün
Mein Mund steht offen
 .
Später Sommertag
Kastanien zünden ihr Licht
Kerzen entbrennen
.
Rostroter Morgen
Gleise warten auf den Zug
Herbst liegt auf der Spur
.
Unberührter Schnee
Hinter den Fensterflüglen
Verwaisen Blicke

2.4.16

Alkyonischer Morgen












Alkyonischer Morgen 
Für A.

Uralte Bäume wurzeln 
unter wärmendem Licht.
Grünsilberkronen ziehen 
meiner Tage Gewicht
und das der wachen Nächte 
voller Fragen
in ihre weiten Schirme. 
 Fortgetragen ist, 
was mich lange quält 
und nach Antworten drängt. 
Es weitet sich der Atem, 
steigt frei, unangestrengt.

Ich bin hinausgegangen 

bis zum Olivenhain. 
Hab einen Weg gefunden - 
den, tief in mich hinein.

26.3.16

Anruf


Quelle: Internet














Anruf  

Längst geht ihr euren Weg.
Losgelöst habt ihr euch.

Natürlich, meint der Verstand.

Mitten in mir jedoch, dort,
unterm zerklüfteten Bauch,
zieht es und tritt und schmerzt.
 
Und jauchzt. Und strahlt.

Eure Stimme ist mir
Nabelschnur, meine Söhne. 

 

17.3.16

Zwischen alten Büchern











Zwischen alten Büchern

Es reiht und stapelt sich Zeit 
hinter bejahrten Leinenrücken
mit ihrem Bouquet aus Tabak 
Gras und einem Hauch Vanille
   
Nasüber versinke ich darin
bevor meine Fingerkuppen  
in staubdurchtanztem Licht 
über Buchstaben flanieren 

Wörter breiten unermüdlich
ihre Flügel und tragen mich 
durch tausend Augenblicke 
weit fort - und zu mir selbst