8.10.17

Oktoberböe











Oktoberböe

Launenhafter Wind

Seit dem Morgen 
tränkt er die Luft 
mit ankerndem Regen

Presst ihn an die 
Fenster mit Wucht 
und haltlosem Falllaub 
dessen Röte
wie Kupfer strahlt
bevor es ermattet 
auf den Boden 
sinkt und verblasst 
im Schatten des Mondlichts

Sturm und Wolken 
schleißen die Nacht 
bis tiefblaue Stille 

fällt

in mein Gedicht

.

28.9.17

Unbestimmte Sehnsucht














Unbestimmte Sehnsucht
 
Während der Wind weht

im späten September
ziehen erste Kraniche
südwärts über das Haus
wie Noten auf einem Blatt
von c nach c
und wieder zurück

Nachsommerklänge
hauchen dem Tag
ihren Atem ein
und Flügel gesponnen
aus Altweiberwiesengarn
tragen mich durch letztes Lau

wer weiß wohin 


16.9.17

Zeitenmesser













Zeitenmesser

Gedimmte Himmel

Der Morgen unter ihnen 
duftet feucht nach Erde 
und rostfarbenem Laub

Unmissverständlich
knüpft sich das Jahr
den Herbst ins Haar 
derweil der Kalender
den Sommer auszählt

Noch rufen die Kraniche 
nicht denke ich und 
schneide erleichtert

die letzte Dahlie

.

30.8.17

Ungeduld



Grafik: Internet











Ungeduld

Bin voller Unrast dieser Tage 
verworren, fiebrig, ohne Halt.
Es martert mich. Wie eine Plage 
durchdringen Bilder jeden Spalt
der Sinne mir und sie verzahnen 
Gedanken heimlich mit dem Duft
von Worten. Ungebändigt bahnen 
sich diese ihren Weg zur Luft
noch ohne Gleichmaß. Wildes Treiben, 
fast überstürzt. Bis sie mir dort
begegnen, wo ich ihrer harre. Schreiben. 
Erlöst! Ich bin am Ruheort.
  

20.7.17

Mittagsglut












Mittagsglut
 
Draußen.
 
Die Hitze dampft 
über den Dächern 
an diesem Tag 

Lerchen steigen
spreugebadet
aus hustenden Furchen
dicht vor dem Wald  

Drinnen. 

Sonnenlichttropfen 
sickern sacht 
zwischen Baumwipfel

Von Farn umwebt 
sind die Schritte
Kühle erdet mich
und die Seele rastet 

Dankbar.

5.5.17

Sizilianische Abendvillanelle












Sizilianische Abendvillanelle

Die Ginstersträuche an den Hängen brennen 
Aus frischem Grün steigt Duft von Apfelsinen 
wenn Glockenklänge Tag und Nacht zertrennen 
  
Im weichen Zwielicht ist uns als zerrännen
Tumult und Hast im Gold der Wilddlupinen 
Die Ginstersträuche an den Hängen brennen
  
Am Abend lernen wir die Stille kennen
in Tälern deren Menschen rastlos schienen 
wenn Glockenklänge Tag und Nacht zertrennen 
  
Vertraute Lieder hoch vom Turm benennen
was Halt verspricht uns ebenso wie ihnen  
Die Ginstersträuche an den Hängen brennen
  
In dieser blauen Stunde stockt das Rennen
um alle Dinge die der Fülle dienen 
wenn Glockenklänge Tag und Nacht zertrennen 
  
Dass wir uns nunmehr auf uns selbst besännen
erfüllt von Leichtigkeit gleich Sonatinen 
Die Ginstersträuche an den Hängen brennen
wenn Glockenklänge Tag und Nacht zertrennen

Zum Hören: Villanelle von Dukas 
.