25.11.19

Novembernächte. Herbstes Tage.

















Novembernächte. Herbstes Tage.

Mitte Sechzig.
 
Bleibt mir noch genügend Zeit
mit dem, den ich mir neu erliebe?
Für ein wenig forsche Weltaufmüpfigkeit,
von der ich gerne öfter schriebe?
(Und es dennoch meide, da mir Kühnheit fehlt 
dafür, trotz aller Lebensstürze.)
 
Immer wieder Grübelspuren.
Unrast schwelt in mir.
Es scheint, das Jahr verkürze sich im Alter,
hastet zwischen Kür und Pflicht.
Zu selten gibt es Mußestunden.
Meine Tage schwingen nicht im Gleichgewicht,
als ob sie selbst sich überrunden müssten,
ungezähmten Fohlen ähnelnd, wild.
Und ich pulsiere gleicherweise.
 
Doch am Abend, wenn das Dunkel
um mich steigt, pausiert das Rennen.
Meine Reise durch die Stunden neigt sich
warm und windgeschützt im Arm des Einen,
der die Gleise enden lässt und der nicht fragt,
ob es ihm nützt. Der möchte, dass ich Stille wage. 


Novembernächte. Herbstes Tage.

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Kommentare:

Jorge D.R. hat gesagt…

Das ist der Text einer souveränen Frau, die das Leben kennt, weil sie dessen Höhen und Tiefen selbst durchschritten hat.

Zu Anfang spührt der Leser, wieviel Energie, Abenteuerlust und auch Zweifel da noch immer ist, obwohl die Zahl "Sechzig" dick in einer Extrazeile ins Auge springt.

Im Mittelteil werden die Sorgen und Stimmungswechsel offen und ehrlich dargelegt. Man kann sich gut vorstellen, wie dynamisch und entschlossen diese Person ihren Alltag angegangen ist.

Zum Schluss gibt es kein billiges "Ende gut, alles gut", sondern ein Wachsen in Zufriedenheit und Stille hinein. Dass sie auf ihrem Weg von einem geliebten Menschen begleitet wird, bildet dabei das Sahnehäubchen auf dem, was man gemeinhin Glück nennt.

Elke K.-K. hat gesagt…

Lieber Lyrikfreund. Ich danke dir, wenn auch sehr verspätet, für deine Gedanken zu diesem Gedicht. Ja, das "Sahnehäubchen" ... :-)