Erwacht ist der Windgott
und schüttelt die Nacht.
Das Laub taucht er tosend
in wilde Spätherbststrudel.
Sogar den Mond treibt er
hinter Wolken ins Asyl.
Zornmütig rast sein Herz
bis hin zur Morgenröte.
Unberührt vom nasskalten Wüten
steigt ruhig der neue Tag.
Quelle des Films: Youtube
8 Kommentare:
kraftvoll der Wind und deine Zeilen
ohne dass du es nennst, bringt mich das Gedicht ans Meer - das ich sehr liebe !
salzluftige Grüße
Uta
Was für ein mächtiger Einstieg:
"Erwacht ist der Windgott
und schüttelt die Nacht."
Toll!
Ja, genau so heute Nacht hier. Die schweren Terracottatöpfe tanzen mit lautem Gedrumme über die Terrasse.
Sturmgrüße
Bess
...Unberührt vom nasskalten Wüten
steigt ruhig der neue Tag.
Kein Wehren, kein Wüten, nur ruhige Annahme.
Beispielhaft!
Untermauert mit einem meiner Lieblingsstücke, ein wunderschönes Gedicht.
Allerdings ist die Musik das heftige Sommergewitter Concerto No. 2 in Gmoll RV 315 - Presto (tempo impetuoso d'estate)
Originaltext: (altes Italienisch)
Tempo impestuoso d'estate
Ah che pur troppo i suoi timor son veri.
Tuona e fulmina il ciel e grandinoso
Tronca il capo alle spiche e a'grani alteri.
deutsch:
Heftiges Sommergewitter
Ach, leider bewahrheiten sich seine Befürchtungen, denn Blitze erhellen das Firmament, der Hagel bricht die reifen Ähren und knickt die Wipfel der stärksten Bäume.
Ich habe festgestellt, dass der untermauernde Text meist nicht bekannt ist.
Liebe Grüße
Curt
Lernen wir von der Gelassenheit eines jeden neuen Tages!
Danke, lieber Curt, du hast Recht, auch ich habe erst vor einigen Jahren entdeckt, dass es Original-Sonette von Vivaldi gibt, die seine Musik im Wort umschreiben. Und doch bedarf es der Worte eigentlich nicht, nicht wahr?
Euch, liebe Barbara, Bess, Uta und Helmut stimme ich absolut zu: Man kann lernen, sich auch in den größten Stürmen des Lebens eine Gelassenheit zu bewahren oder diese nach den Wolkenbrüchen und Gewittern schnell wieder zu finden.
Oft erwächst sie sogar aus den Unwettern und der Erkenntnis, dass diese vorüberziehen...
Ich grüße euch aus dem heute wettermäßig ruhigen Berlin und danke euch für die bereichernden Kommentare.
Liebe Elke! Wieder mit etwas Zeitverzögerung mein Kommentar. Die Formulierung "schüttelt die Nacht" finde ich sehr gelungen! Mich schüttelt zur Zeit nicht der Wind, sondern meine Gefühle und Gedanken in der Nacht. Keine Sorge, ich kann noch schlafen! Die Videosequenz fand ich trotzdem passend, obwohl es sich ja bei der Musik um das Sommergewitter aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten" und den Bildern um das tobende Meer handelt. Ich fand die Kobination aus allen Dreien sehr inspierend...
Also Danke, dass ich auf Deinem blog etwas neues und schönes entdecken konnte. Betti
Liebe Betti,
Du hast Recht, einen Text mit einer Musik zu unterstützen birgt ein Risiko in sich, zumal es sich bei diesem Vivaldi hier um ein so populäres Stück handelt.
In mir klangen beim Sturmgedicht auch "Die Trojaner" (Königliche Jagd und Sturm)von Berlioz, Grofé`s Cloudburst oder Lyapunovs Transcendentale Etude No. 6, doch ich fand keine Video mit passenden Bildern.
Gerade mit dieser Kombination aus Wort, Bild und Musik experimentiere jedoch ich zurzeit, wie du merkst.
So musste halt der Klassiker Herhalten, aber mit welchen schönen Sturmbildern, nicht wahr?
Möge in deine Nächte bald wieder die Stille und Ruhe einziehen, sei lieb gegrüßt von mir.
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